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Die Macht und die Ehrlichkeit

Die Macht und die Ehrlichkeit Law

Die Macht und die Ehrlichkeit

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Vorwort Die Medienindustrie in der wohlverdienten Krise - Mitleid ist fehl am Platz Wir haben diese Krise redlich verdient. Sie ist die Folge jahrzehntelang geduldeter Bequemlichkeit und Arroganz. Arrogance means to be proud of ignorance. Die Schweizer Medienindustrie hat den Wettbewerb nie wirklich trainiert, sondern ihn eher als st?rend und unanst?ndig empfunden. Wirklichen Erfolg gehabt haben die paar lokalen Platzhirsche und vor allem die Aussenseiter, die sich um die kartell?hnlichen Regeln der Branche foutiert haben: der Tages-Anzeiger (in seinen Gr?ndungszeiten), Ringier, Rasworscheg (Beobachter). Die Platzhirsche haben ihre Lufthoheit ?ber den lokalen R?umen bewirtschaftet und dabei die globalen Entwicklungen verschlafen. Und alle miteinander haben wir vor lauter Beharren die Chancen der Digitalisierung den anderen ?berlassen. Google, Amazone, Ebay, Twitter, Facebook, aber auch Zattoo, Doodle, Homegate, Search, Winner... Wer h?t's erfunde? Lauter Aussenseiter und Branchenfremde, nur nicht die Medienindustriellen, fr?her Verleger genannt. Erfunden haben die eigentlich herzlich wenig bis gar nichts. Stattdessen haben sie ihre angestammten Reviere verteidigt und die Tradition fortgef?hrt. Das war ihre Aufgabe, gewiss. Aber vor lauter "Dienst nach Vorschrift" haben sie es vers?umt, als Internet-Provider rechtzeitig die Stellwerke des massgebenden neuen Mediensystems zu besetzen. Dankbar haben sich die gierigen Telekoms diesen Brocken geschnappt. Die meisten Verleger haben die digitale Revolution an sich vorbeiziehen lassen und ihre Exportchancen vergeben. Daf?r haben sie die skandal?se Marktverf?lschung durch die SRG akzeptiert, indem sie sich ihre Radio- und Fernsehsender per Geb?hrensplitting mit einem besseren Trinkgeld subventionieren lassen und sich dem "Leistungsauftrag" der frechen Bakom-B?rokratie unterwerfen. Tradition pflegen heisst nicht die Asche verwalten, sondern die Flamme bewahren. Eine gewisse Marktblindheit geht einher mit der souver?nen Verachtung der geistigen Leistung, welche die Grundlage der publizistischen Industrie bildet. Beziehungsweise bilden sollte. Im Zweifel (und in wirtschaftlicher Bedr?ngnis sowieso) ist es aber der Mehrheit der Schweizer Verleger lieber, hochmoderne Druckereien zu besitzen als in Inhalte zu investieren, auf die sie stolz sein k?nnen. Die Verachtung, die manche dieser Medienunternehmer den journalistischen Leistungstr?gern entgegenbringen, manifestiert sich etwa dann, wenn in den Betrieben aus wirtschaftlichen Gr?nden Stellen abgebaut werden m?ssen. Die Tamedia, deren publizistisches Flaggschiff im redaktionellen Teil seit vielen Jahren aus linksliberaler Warte der ganzen Gesellschaft Sozialkompetenz und Moral predigt, hat im Juni 2009 etwa achtzig Journalistinnen und Journalisten, davon 24, die dem Pensionsalter nahe sind, auf die Strasse gestellt. F?r Sozialpl?ne bzw. Fr?hpensionierungen wurden in einem ersten Verhandlungsschritt gerade mal 50 000 Franken pro Vollstelle bewilligt. Damit und mit den angesparten Pensionskassenguthaben ergibt sich zum Beispiel f?r einen 58j?hrigen Kollegen mit 22 Dienstjahren eine monatliche Rente von 2800 Franken. Die dem Einschnitt vorangegangene Investitionsentscheidung - die Regionalisierung des "Tages-Anzeigers" - hatte eigenen Angaben zufolge j?hrlich wiederkehrend nicht viel weniger als zehn Millionen Franken erfordert. Als man zur?ckrudern musste, sollte die einmalige Ausgabe eines Drittels dieses Betrages ausreichen, um die sozialen Folgesch?den des vorangegangenen Fehlentscheids zu lindern. F?r die ertragsschwache "Thurgauer Zeitung" und deren Verlag wurde dagegen gem?ss unwidersprochenen Berichten die horrende Summe von rund 55 Millionen Franken bezahlt, f?r Espace Media und Edipresse je ein Mehrfaches. Der Kontrast zum Investitionsverhalten des Unternehmens, wenn es um die Eroberung fremden Terrains geht, f?llt auf. Die Sp?tfolgen sind verheerend. Aus den Redaktionen wandern intelligente Leistungstr?ger in grosser Zahl ab. Noch nie waren windstille Nischen im Arbeitsmarkt so gesucht wie heute. Die Branche der "spin doctors" und anderer interessenvertretender Informationsspezialisten expandiert, w?hrend die Redaktionen, die deren Output kritisch filtern sollten, aus Spargr?nden eingedampft werden. Die Schere ist weit offen. Wer aus der Geschichte nicht lernt, ist dazu verdammt, sie noch einmal zu erleben. Die Schweizer Medienindustrie erlebt derzeit, was Textil- und Uhrenindustrie schon hinter sich haben: Globale Strukturver?nderungen ?berlappen sich mit dem Wandel der Konsumgewohnheiten und damit des Kundenverhaltens. Alte Angebotsformen versagen, auf einmal brechen bew?hrte Gesch?ftsmodelle weg. Und selbstverst?ndlich passiert das alles ausgerechnet in einer wirtschaftlichen Krisenzeit, was die traditionell fr?hzyklische und extrem konjunkturanf?llige Medienbranche besonders hart trifft. In diesem Buch sind publizistische Beitr?ge der vergangenen zehn Jahre versammelt, die aus der jeweiligen medienpolitischen und -wirtschaftlichen Aktualit?t heraus entstanden sind. In diesen Texten wird versucht, mit der n?tigen Selbstkritik und Distanz zum eigenen Metier Schwachstellen, aber auch Chancen und Auswege aufzuzeigen. Ohne die Unterst?tzung vieler Kolleginnen, Kollegen und Gew?hrsleute aus der Branche und ohne den Rat guter Freundinnen und Freunde w?re diese Sammlung nicht m?glich gewesen. Ich danke allen, die dazu beigetragen haben, sehr herzlich, ohne einzelne Namen zu nennen; ich m?chte niemand in Verlegenheit bringen und damit zugleich klarstellen, dass ich allein f?r die beschriebenen Inhalte und Einsch?tzungen verantwortlich bin. Bekanntlich ist hier zu Lande die Meinungsfreiheit gew?hrleistet, vorausgesetzt, man ist in der Lage, die wirtschaftlichen Folgen zu tragen. Karl L??nd, Januar 2010
Product details
Binding:
Paperback
Edition:
1
Number of Pages:
229
Publication Date:
2010-04-30
Publisher:
Edition Rüegger
Languages:
Original: German
ISBN10:
3725309477
ISBN13:
9783725309474
Weight:
454 g
Height:
148 cm
Width:
208 cm
Thickness:
23 cm
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