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Mein Leben als Urwaldhebamme

Mein Leben als Urwaldhebamme Personalities

Mein Leben als Urwaldhebamme

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Gottes wunderbare F?hrung in meinem Leben
Im R?ckblick auf mein Leben kann ich nur staunen und Gott preisen, der meinem Leben einen festen Grund, einen bleibenden Inhalt und ein unverr?ckbares Ziel gab. Er hat mich wunderbar gef?hrt und am Leben erhalten und Herzensw?nsche nach seinem Plan erf?llt.Ich wurde am 16. August 1924 in Gotha in Th?ringen geboren. Meine Kindheit war nicht leicht, da die Ehe meiner Eltern zerbrach. Mein Bruder und ich litten sehr darunter, ohne Vater aufzuwachsen. Ich erinnere mich noch gut an ein Erlebnis aus meiner fr?hen Kindheit. Ich muss ungef?hr drei oder vier Jahre alt gewesen sein: Meine Mutter betete mit mir. ?ber meinem Kinderbett hing ein Bild mit einem knienden Kind vor einem Bett und einem Engel, der das Kind besch?tzte. So kniete auch ich vor meinem Bettchen und betete das Kindergebet, welches meine Mutter mich gelehrt hatte: "Ich bin klein, mein Herz mach rein, soll niemand drin wohnen, als Jesus allein." Ich fragte meine Mutter, ob sie auch dieses Gebet bete, doch sie verneinte es und sagte, sie bete das "Vaterunser im Himmel". Da horchte ich auf und sagte: "Mutti, dann haben wir also doch einen Vater im Himmel?" Oft stand ich vor dem Fenster in unserer Man- sardenwohnung und sah in den Himmel hinauf. Ich wollte doch so gern Kontakt zu meinem Vater im Himmel haben. Und wieder waren Wolken am Himmel, und ich konnte meinen Vater nicht sehen. Mein Kinderherz hatte sehr darunter gelitten. Jahre sp?ter entdeckte ich beim pers?nlichen Bibellesen im Epheserbrief, Kapitel 3, die Verse: "Deshalb beuge ich meine Knie vor dem Vater, der der rechte Vater ist ?ber alles, was da Kinder hei?t im Himmel und auf Erden." In der Bibel, die ich immer mehr sch?tzen und lieben gelernt hatte, stand also, dass ich einen richtigen Vater hatte. Mein Herz jubelte. Wie wunderbar wusste Gott an jenes Erlebnis aus den fr?hen Kindheitstagen anzukn?pfen!Schon als Kind h?rte ich mit gro?em Interesse die biblischen Geschichten, die uns zwei Diakonissen jeden Sonntag erz?hlten. Besonders die Missionsgeschichten und Biographien gesegneter Missionare, wie zum Beispiel Friedrich Traub und Hudson Taylor, oder die Missionsberichte der Missionare der Marburger Mission, die in Y?nnan (China) waren, fesselten mein Kinderherz. Ich kannte sie alle mit Namen und betete f?r sie. Das Missionieren ?bte ich auch selbst, indem ich anderen Kindern erz?hlte, wie sehr der Herr Jesus sie liebte. Nat?rlich sang ich mit Inbrunst: "Da drau?en bei den Heiden scheint die Sonne so hei?, da lebt so manches Kindlein, das vom Heiland nichts wei?." Und erst recht: "Sterbend ein armer Zigeunerknab' wacht, ihm ward die Botschaft des Lebens gebracht, hell horcht er auf, ist es Wahrheit, er fragt: Niemand hat je mir vom Heiland gesagt." Dann der Kehrreim: "Sag's noch einmal, sag's noch einmal, sag's immer wieder, bis keiner mehr klagt: Niemand hat je mir vom Heiland gesagt."Als ich ungef?hr elf Jahre alt war, erz?hlte uns eine Missionarin, die gerade in Deutschland war, mit strahlendem Gesicht von ihrem entsagungsvollen Dienst f?r Jesus. Sie berichtete von ihrer achtj?hrigen Gefangenschaft in Sibirien, von Wanzen, Fl?hen und anderem Ungeziefer und von mancherlei Entbehrungen. Sie hatte solch eine Ausstrahlungskraft, dass ich sie heute noch im Geiste vor mir sehe. W?hrend ihrer Verk?ndigung vernahm ich das erste Mal das Werben Jesu und die Frage: "W?rst du bereit f?r solch einen Weg?" Ich bejahte seine Frage in meinem Herzen, so hatte sich mein Kinderherz Mission vorgestellt, und daf?r war ich bereit. Das alles geschah, bevor ich selbst eine klare Entscheidung f?r Jesus getroffen hatte. Dabei wollte ich doch gerne Jesu Eigentum werden. Aber wie sollte das zugehen? Etwa so, wie uns die Schwester eines Tages berichtete? "Die Ruth hat heute ihr Herz dem Heiland geschenkt."Ich schaute mir die Ruth an und dachte: "Nein, ich m?chte einmal nicht ohne Herz herumlaufen." Ob es da nicht auch noch einen anderen Weg gab? Doch, den gab es. Aber zun?chst "evangelisierte" ich auf meine Weise weiter und die Liebe zu Jesus und zu seinem Wort wuchs dabei und lie? den Entschluss in mir reifen, mein Leben ganz unter die F?hrung Jesu zu stellen. Langsam wurde mir beim Lesen des Wortes Gottes immer klarer, dass Jesus nur die S?nder annimmt. Aber ich wollte doch als eine Gute zu ihm kommen, was hatte ich nicht alles angestellt, um gut zu werden!? Nun, die Erkenntnis, dass mein Herz s?ndig ist, ging mir erst nach und nach auf und weckte die Heilandsbed?rftigkeit umso mehr in mir, sodass ich mit 16 Jahren w?hrend einer Missionskonferenz aus tiefster ?berzeugung mein Leben ganz bewusst unter Gottes F?hrung stellte. Gottes Wort hatte nicht nur meinen Kopf, sondern auch mein Herz erreicht. Es waren besonders zwei Gottesworte, die tief in mein Herz fielen: "Gib mir, mein Sohn, dein Herz und lass deinen Augen meine Wege wohlgefallen" (Spr?che 23,26) und aus Epheser 6,15 "[...] an den Beinen gestiefelt, bereit einzutreten f?r das Evangelium des Friedens."Beide Worte pr?gten mein weiteres Leben. Ich hatte Vergebung meiner S?nden erfahren und freute mich ?ber die Gewissheit, jetzt ein Kind Gottes zu sein. Der Gedanke, Jesus einmal in der ?u?eren Mission zu dienen, gewann immer mehr Gestalt in mir. Ich wollte den Weg allerdings nicht allein gehen, sondern an der Seite eines Missionsarztes, den ich mir vorzustellen versuchte. Ich kannte keinen. Doch dieser wundersch?ne Traum lebte in meinem Herzen und bewahrte mich davor, mein Leben zu vert?ndeln. Ich wollte lernen, so viel ich konnte, um f?r den Missionsdienst brauchbar zu sein. Dazu musste mir der Herr Jesus in der Schule des Lebens allerdings noch die richtigen Stiefel verpassen. Nach meinem hauswirtschaftlichen Examen war ich zwei Jahre, von 1941-1943, in den Alpen bei einer kinderreichen Familie t?tig und erz?hlte den Kindern, die unerm?dliche Zuh?rer waren, mit brennendem Herzen von Jesus.Anschlie?end f?hrte mich mein Weg in die Kinderklinik nach Nordhausen, um dort von 1943-1945 die Ausbildung zur S?uglings- und Kleinkinderschwester zu absolvieren. Das war ein Dienst nach meinem Herzen. Die Klinik wurde von Diakonissen geleitet, die ich sehr sch?tzte - kannte ich doch Diakonissen von Kindheit an durch den Besuch der Sonntagsschule. Damals hatte ich sie allerdings nur im Sonntagskleid kennengelernt, und jetzt stand ich im Alltag hautnah neben ihnen. Ich bewunderte sie, wollte aber selbst nie eine werden. Ich hatte ja meinen Missionsarzt im Herzen und wollte Mutter werden. Oder sollte ich doch Diakonisse werden? ?ber viele Monate tobte dieser Kampf in meinem Herzen. Sollte ich etwa mein ganzes Leben lang schwarze Str?mpfe, lange Kleider und immer nur Mittelscheitel tragen und niemals Mutter werden d?rfen? Nein, das wollte ich nicht! - und damit war das Thema "Diakonisse" f?r mich abgehakt. Wirklich? Bei mir vielleicht, aber nicht bei Gott. Es war 1945. Das Examen war erfolgreich bestanden, aber der Krieg war noch nicht zu Ende. Tag und Nacht wurden wir durch Voralarm und Vollalarm auf Trab gehalten, weil wir alle Kinder in den Keller tragen mussten und dort verharrten, bis die Sirenen Entwarnung gaben. Am 3. April um 17.00 Uhr geschah es dann: Unsere Kinderklinik war einem Bombenangriff ausgesetzt! Kurz zuvor hatte ich noch unverhofft Besuch von meinem Bruder Hans bekommen, der anschlie?end wieder zu seiner Truppe nach Ellrich zur?ckkehren musste. Da ert?nte Voralarm! Ich bat ihn, in meinem Zimmer zu warten, bis wir Schwestern alle Kinder im Keller h?tten, da dies bereits bei Voralarm geschehen musste. Anschlie?end wollte ich mich um ihn k?mmern. Mein Zimmer lag im obersten Stockwerk unter dem Dach. Dann, pl?tzlich, binnen weniger Minuten: ein Volltreffer! Ohne Vollalarm. Eine nahezu 50 Zentner schwere Sprengbombe machte die Klinik in wenigen Augenblicken dem Erdboden gleich und wir, 40 Schwestern und 160 Kinder, waren versch?ttet. Mein erster Gedanke war: Mein Bruder ist tot. Ich hatte ihn ja noch gebeten, in meinem Zimmer zu warten. Er hatte jedoch das Angriffszeichen am Himmel gesehen und blitzschnell noch Kinder mit in den Keller getragen. Als er auf der letzten, oberen Stufe gestanden hatte, war er vom Tr?mmerger?ll ?bersch?ttet worden. Doch er konnte sich herausbuddeln und mit einem Mal ert?nte im Keller laut seine Stimme: "Wo ist meine Schwester?" Er war gerettet.Von da und dort konnte man laute Gebete vernehmen, ein Rufen und Schreien nach Befreiung. Ich konnte nicht laut beten, aber ich flehte in meinem Herzen zu Gott und versprach ihm, wenn er mich am Leben erhalten w?rde, dann w?rde ich ihm dienen, selbst als Diakonisse. Ich hatte noch nicht innerlich "Amen" gesagt, als bereits die n?chste Sprengbombe neben unserer Klinik einschlug. Durch den Luftdruck bei der Explosion wurde ein kleines Kellerfenster zerst?rt, und etwas frische Luft str?mte herein - das war unsere Rettung. F?r mich war es jedoch die sofortige Antwort auf mein gestammeltes Gebet. Selten hatte ich eine so prompte Gebetserh?rung erlebt. Mein Bruder konnte uns noch helfen, einen Ausgang aus den Tr?mmern zu finden, bevor er sp?t am Abend zu seiner Truppe zur?ckkehrte. Wie dankbar war ich, dass kein Mitarbeiter unserer Klinik und auch kein Kind bei diesem Angriff ums Leben gekommen war. Gott hatte uns alle am Leben erhalten. Allein das war ein gro?es Wunder.Doch wie war es nun mit der Versorgung der Kinder? Der Bombenangriff erfolgte gegen 17.00 Uhr. Es war inzwischen dunkel geworden und uns war klar, dass wir die Nacht unter den Tr?mmern zubringen mussten. Die Kinder schrien und hatten Hunger. Sie waren es ja gew?hnt, immer p?nktlich ihre Flaschennahrung zu bekommen. Und jetzt? Das Unglaubliche war geschehen: Der gro?e K?hlschrank, der in der Milchk?che seinen Platz hatte, ragte wie ein Denkmal ein kleines St?ck aus den Tr?mmern heraus. In ihm waren die S?uglingsflaschen f?r 24 Stunden f?r alle Stationen aufbewahrt. Jede Flasche hatte die Nummer des Kinderbettes, sodass keine Verwechslung vorkommen konnte. Wir buddelten den K?hlschrank frei und erlebten das unbeschreiblich gro?e Wunder, dass alle Flaschen aus Jenaer Glas unversehrt vor uns standen. Nicht eine einzige war entzwei. Gott musste einen Schutzwall von Engeln um den K?hlschrank gestellt haben.Unter Tr?nen dankten wir Gott f?r sein gro?es Erbarmen mit uns. So konnten wir die Kinder noch bis in den n?chsten Tag hinein mit Nahrung versorgen. Da kamen dann auch schon die ersten Eltern und Angeh?rigen, um ihre Kinder abzuholen. Sie waren unendlich dankbar daf?r, dass sie am Leben geblieben waren. Alle anderen Kinder brachten wir in das wenige Kilometer entfernte Auffanglager nach Buchholz, das daf?r vorgesehen war. Es regnete in Str?men, doch der Gott, der uns alle am Leben erhalten hatte, gab uns auch die Kraft f?r diesen Kindertransport.Unsere Stadt war ein einziges, gro?es Tr?mmerfeld. Viele Menschen lagen tot auf den Stra?en, andere waren unter den Tr?mmern versch?ttet. Und mich hatte Gott am Leben erhalten - wie unbegreiflich. Wer war ich? Ich war nicht besser als die, die ihr Leben auf so brutale Weise verloren hatten. Ich wurde an Gottes Wort aus Jesaja 43, die Verse 1 und 4 erinnert: "F?rchte dich nicht, denn ich habe dich erl?st; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein! ... Ich gebe Menschen an deiner statt und V?lker f?r dein Leben." Dieses Wort wurde mir zum Fundament f?r meine Berufung.Aber noch etwas Entscheidendes war geschehen: Mein wundersch?ner Traum vom Missionsarzt war wie eine schillernde Seifenblase zerplatzt - und er tauchte nie wieder in meinem Herzen auf. Gott selbst hatte den Stellenwert verschoben und neue Priorit?ten gesetzt. Ihm ging es um den Gehorsam in meinem Leben. Bei mir stand zwar Mission an erster Stelle, aber Gott ging es um meine Zubereitung f?r den Dienst in der Mission. R?ckblickend sehe ich, wie Gott dieses Ziel schon von meiner Kindheit an verfolgte. Jeder Dienst, jedes Erlebnis, alles war Vorbereitung f?r den n?chsten Schritt und gab mir Durchhaltekraft und Stehverm?gen.Ich legte bewusst das Ehegl?ck und die Mutterschaft als ein lebendiges Opfer auf Gottes Altar und ging noch im selben Jahr, am 2. Oktober 1945, ins Mutterhaus nach Elbingerode. Diese Entscheidung habe ich nie bereut. Sie ist wohl immer wieder einmal auf den Pr?fstein gekommen, aber sie ist bis heute ein lebendiges Opfer geblieben. Vor meinem Eintritt hatte ich noch geholfen, unsere Tr?mmer mit abzutragen. Das war Schwerstarbeit. Welch ein Geschenk und welch gro?e Freude, als ich dabei als Erstes meine pers?nliche Bibel wiederfand.
Ich sollte noch eine andere bleibende Lektion f?r mein Leben lernen, die mir Gott anhand eines unausl?schlichen Erlebnisses am Weihnachtsfest 1946 tief ins Herz pr?gte. Nach dem ersten halben Jahr im Mutterhaus war ich nach Nordhausen versetzt worden. Eine Schwester in meinem Alter und ich hatten das Vorrecht, zu Weihnachten ins Mutterhaus nach Elbingerode fahren zu d?rfen. Welch eine Freude war das f?r uns, allerdings sollten wir am Nachmittag des 24.12. nach Nordhausen zur?ckkehren, da wir beide am ersten Feiertag zum Dienst eingeteilt waren. Wir genossen das Zusammensein im Schwesternkreis und blieben nat?rlich bis zur letzten Minute im Mutterhaus. Bis zum Bahnhof nach Drei-Annen-Hohne mussten wir allerdings f?nf Kilometer laufen, und in der Nacht war Neuschnee gefallen. Hinzu kam, dass wir einen Reisekorb und einige Taschen voll Gep?ck mitnehmen sollten, da man in der unmittelbaren Nachkriegszeit nur selten solche Fahrten unternahm. Man muss den Harz kennen, um sich in unsere Lage versetzen zu k?nnen. Im Sommer ist der Weg von Elbingerode nach Drei-Annen-Hohne ein wundersch?ner Spazierweg, aber im Winter im tiefen Schnee eher ein Abenteuer. Es fuhr an diesem Tag nur ein Zug, den wir erreichen mussten. Doch es lag nicht nur Neuschnee, sondern die Stra?e war auch noch frisch gestreut, sodass wir mit unserem Schlitten und all dem Gep?ck kaum von der Stelle kamen. Da wurde ich an einige Abk?rzungswege erinnert, die bestimmt nicht gestreut waren. Herrlich! Wir kamen in den Rillen der Skispuren ziemlich z?gig voran, doch wohin f?hrte der Weg der Skispuren? Wir verloren die Orientierung und gerieten immer tiefer in den Wald hinein. Pl?tzlich h?rten wir unseren Zug aus weiter Ferne pfeifen. Was nun? Zur?ck? Nein, diese Bl??e wollte ich mir nicht geben. Das w?re eine zu gro?e Dem?tigung. Also stapften wir weiter durch den Schnee. Eine Stunde nach Abfahrt des Zuges waren wir am Bahnhof in Drei-Annen-Hohne. Wir lie?en den Schlitten dort, gaben den Reisekorb auf und liefen mit unseren Taschen auf den Bahnschwellen weiter nach Elend, zur n?chsten Bahnstation. Es war inzwischen 19.00 Uhr und dunkle Nacht, und m?de waren wir auch. Damals gab es in Elend nur ein Hotel, wo wir f?r die Nacht einen Unterschlupf suchten. Der freundliche Wirt zeigte uns ein Zimmer, nat?rlich eiskalt, mit unbezogenen Betten, und er bot an, unsere Str?mpfe am Herd zu trocknen. Wir fragten uns: "Wie konnte das passieren?" Ja, der Weg war schlecht und schwer, aber tief in meinem Inneren wusste ich, dass ich selbst schuld an der ganzen Misere war. Ich war davon ?berzeugt, dass wir ohne weiteres 40 km nach Nordhausen laufen k?nnten. Es waren nicht die ersten 40 km, die ich im Leben zur?cklegt hatte, aber ich war gerade mal einen Sommer lang in Elbingerode und hatte dort noch keinen Schnee erlebt. In einem Rucksack, den wir hatten mitnehmen sollen, waren ein Paar Stiefel. Sie geh?rten dem Bruder unseres damaligen Direktors, Pfarrer Haun. Da sie aber meiner Mitschwester, der die F??e schon sehr weh taten, genau passten, riet ich ihr, die Stiefel anzuziehen. Bu?e mussten wir so oder so tun, da machte ein Paar getragene Stiefel nun auch keinen Unterschied mehr. Schlaf fanden wir keinen in jener Nacht, und als wir am n?chsten Morgen unsere Str?mpfe vom Wirt holen wollten, waren diese verbrannt. Auch das noch! Gut, dass wir noch ein Paar dabei hatten. Wir liefen also weiter, zun?chst nach Sorge und dann in Richtung Beneckenstein. Dort mussten wir noch an einer gef?hrlichen Stelle vorbei, an der schon viele Frauen vergewaltigt worden waren - doch wir kamen unbehelligt durch. Schlie?lich machte sich unser hungriger Magen bemerkbar. Nur gut, dass wir unsere Weihnachtspl?tzchen vom Mutterhaus dabei hatten. Wir setzten uns auf einen Kilometerstein und machten Rast bei Pl?tzchen und kaltem Schnee als Getr?nk. In Ilfeld kletterten wir entkr?ftet in einen eiskalten Zug, der am Abend nach Nordhausen fahren sollte. Die letzten 15 km! Vorher waren wir noch an einer Kirche vorbeigekommen, aus der gerade das Lied ert?nte: "In wie viel Not hat nicht der gn?dige Gott ?ber dir Fl?gel gebreitet!" Ja, das hatten wir erlebt!Unsere Schwestern in Nordhausen hatten uns schon als vermisst gemeldet. Nun waren sie, trotz aller durch uns bereiteten Not und Entt?uschung, froh und dankbar, dass wir wieder da waren, und am n?chsten Tag hatten wir Dienst. Das war eine schmerzliche, aber heilsame Lektion f?r mein Leben: Eigene Wege f?hren immer ins Elend, ob der Ort nun Elend hei?t oder nicht, und Gott erspart uns auch nicht die Bu?e f?r unsere eigenen Wege. Darum wurde es mir auch so wichtig, mir nicht einen eigenen Weg aus der DDR zu suchen. Viel zu tief steckte jenes Erlebnis in meinem Herzen, und es bewahrte mich auch sp?ter manches Mal vor einem eigenen Weg.
In den n?chsten neun Jahren arbeitete ich als frohe und dankbare Diakonisse, der Gott schon einige Paare Stiefel angezogen hatte, in den verschiedensten Bereichen: Kinderarbeit, private Wochenpflege, Gemeinschaftsarbeit, Seelsorgedienste in R?stzeiten und Evangelisationen. Mein Herz brannte jedoch in der ganzen Zeit weiter f?r die Mission. W?rde sich je ein Weg und eine M?glichkeit daf?r abzeichnen? Ich klammerte mich weiter an Gottes Verhei?ung, "denn auf alle Gottesverhei?ungen ist in ihm das Ja" (2. Korinther 1,20). Sein Wort und manche Glaubenslieder und Ausspr?che pr?gten mein Leben, unter anderem der Satz: "Jede recht verbrachte Wartezeit bringt einen k?stlichen Gewinn in unser Leben." An Anfechtungen und Glaubensk?mpfen fehlte es dabei jedoch nicht. Sie verst?rkten sich noch, als 1952 unsere Missionare aus politischen Gr?nden China verlassen mussten. Was nun? Wollte Gott doch nicht, dass ich ihm in der ?u?eren Mission diente? Ein einziges Fragen und Ringen brach in meinem Herzen auf: Hatte ich mich geirrt? Oder hatte Gott sich etwa geirrt? Nein, das konnte nicht sein!So wurde ich eines Tages von unserer damaligen Hausmutter gefragt, ob ich auch bereit sei, nach Brasilien statt nach China zu gehen. Doch warum gerade nach Brasilien? Und wieder war es Gottes Wort, das mir Hilfe und Wegweisung gab, denn ich stie? auf Apostelgeschichte 16. Gott hatte sein Ziel nicht ge?ndert, auch wenn er die F?hrung in ein anderes Land gelenkt hatte. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich lediglich von unserer Missionsarbeit in China, von Brasilien hatte ich noch nichts geh?rt, au?er, dass es in S?damerika lag. Was f?r Menschen lebten dort? Was f?r eine Sprache wurde dort gesprochen und welche Missionare dienten dort? Ich erbat mir eine Bedenkzeit und setzte mich intensiv damit auseinander. Daf?r h?tte ich gerne schriftliches Material gehabt, doch das war in der DDR nicht aufzutreiben. Schlie?lich gab ich im Glauben und Vertrauen auf den Herrn mein Ja. Aber ich lebte immer noch in der DDR. Wie sollte ich sie je verlassen, ohne die Grenze schwarz zu ?berschreiten? Das wollte ich nicht. Nein, einen eigenen Weg wollte ich nicht mehr w?hlen, daf?r hatte ich eine zu schmerzhafte Lektion erfahren! Wenn es wirklich Gottes Weg mit mir war, dann war es ihm auch m?glich, mir eine legale Ausreise zu erm?glichen und ich brauchte nicht nachzuhelfen. Aber je l?nger desto unm?glicher erschien eine legale Ausreise. Weiter warten und auf Gott vertrauen, auch gegen alles Sichtbare, war fortan meine Glaubensdevise. Mit gro?er Freude lernte ich viele Gottesworte, Psalmen und zusammenh?ngende Bibeltexte auswendig. Sie st?rkten mein Herz und befreiten mich von aufkommenden Zweifeln. Ich tat weiter froh meinen Dienst f?r Jesus, immer in der Gewissheit "Ist die rechte Zeit nur da, so wird alles lauter Ja." (Benjamin Schmolck)Auf wunderbare Weise durfte ich dieses "Ja" Gottes im Januar 1955 erleben. Als einzige Diakonisse konnte ich auf legalem Weg die DDR verlassen. Das war eine unumst??liche Best?tigung des Willens Gottes f?r meinen weiteren Lebensweg - ich wusste mich gewiss gef?hrt. Zwei Monate sp?ter konnte ich auf einem deutschen Frachter nach Brasilien reisen.
Product details
Edition:
1
Number of Pages:
239
Publication Date:
2018-01-31
Publisher:
Francke Buchhandlung GmbH
Languages:
Original: German
ISBN10:
3868277005
ISBN13:
9783868277005
Weight:
318 g
Height:
128 cm
Width:
193 cm
Thickness:
27 cm
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