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Baldr Ok Iss
By Helrunar
Mit der Tiefe raunen und ergreifende Stimmungen einfangen: der seit jeher freizügig verlautbarte Anspruch Helrunars, traditionellen nordischen Black Metal mit eisigem Leben zu füllen, wird auf „Baldr ok Íss“ mit leidenschaftlicher Vehemenz eingelöst. Das Trio konnte sein Vorhaben, ein direkt klingendes, den Hörer quasi * Schopf packendes und unweigerlich mitreißendes Album einzuspielen, unter den Fittichen von Markus Stock problemlos umsetzen: „Wir haben ‚Baldr ok Íss’ innerhalb von fünf Tagen mit vielen First Takes aufgenommen“ erzählt Sänger Skald Draugir, „somit blieb für mich Raum, um zum Beispiel das Outro ‚Baldrs Drauma’ komplett zu improvisieren und den altnordischen Text so vorzutragen, wie ich vermute, dass es ein Skalde früher gemacht haben könnte.“ Die kräftige Dynamik des nach „Frostnacht“ zweiten über Lupus Lounge veröffentlichten Albums wurzelt in dem Dualismus von zwei ursprünglichen Prinzipien, konzeptionell verkörpert vom Lichtgott Balder und der Kraft des Eises. Skald Draugir weist über den offensichtlichen archetypischen Gegensatz von Feuer und Eis hinaus. So stehen sich in den Liedern „Hunta and Boga“ und „Glámr“ zwei Lebensanschauungen gegenüber: das Bewusstsein, Teil eines natürlichen Ganzen zu sein, trifft auf ein „egozentrisches, isoliertes Bewusstsein, welches versucht, das ‚Ganze’ zu kontrollieren und natürlich scheitern muss…“
„Eine bittere Kälte gehört zur Grundstimmung des Black Metal“, so Skald Draugir, und fügt im Hinblick auf die musikalische Umsetzung hinzu, dass „die Kraft des Eises durch sehr flächige Riffs in Moll“ dargestellt werde, wobei die Musik dem Hörer eine grimmige Kraft vermitteln mag: „In ‚Schwarzer Frost’ – einem Stück, dass nebenbei auch in recht persönlichen Worten das Gefühl schildert, das Black Metal bei mir auslöste, als ich ihn für mich entdeckte – wird die Kraft des Eises im ‚Innern’ genutzt, um dem Eis im ‚Außen’ entgegenzutreten.“
Während sich die unmittelbar entfaltende Wirkung der einzelnen Lieder damit erklären lässt, dass sie in Einzelarbeit entstanden und die Musiker im Vorfeld der Aufnahmen gezielt daran gingen, mit ihrer durch Konzerte gewachsenen Erfahrung, Ideen direkt auf den Punkt zu bringen, verbleibt die Mehrzahl der vom Sänger mit viel Herzblut verfassten Texte im rätselhaft Vieldeutigen, einige wiederum fallen direkter, vor dem Hintergrund bitterer Erfahrungen deutlich gesellschaftskritisch aus. „Mein Ziel war dabei immer, mich möglichst von mir zu entfernen, einen stärkeren Kontakt zum Mythos und seiner Symbolik, oder zur menschlichen Psyche und ihren Archetypen, ihren Sehnsüchten, letztendlich unserer „Welt“ herzustellen, so Skald Draugir, der sich vorstellen kann, „dass die Texte im Hörer Nachdenklichkeit und Ergriffenheit, vielleicht auch ein Interesse für Mythen wecken, und ihn auf eine eigene Reise schicken.“ Angesichts der mehr denn je gewaltig klingenden, mitreißenden wie bildhaften Musik mag der Hörer selbst mit der Tiefe raunen, um nur wenig später zu erkennen, dass aus jenem Hauch ein Sturm wurde…