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Doch seht wir leben
By Heide Rieck
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Description
"Lager bedeutet nicht nur Schlagen, T?ten, durch kr?fte?bersteigende Arbeit allm?hlicher physischer Tod, st?ndiger Hunger, L?use, Lager bedeutet auch ein stilles, innerliches Nein, ein gewisses Ma? an Auflehnung und Aushalten, allem zum Trotz." Marian Kolodziej
In acht Sprachen liegen hier Zeugnisse inneren Widerstands aus den Baracken der Zwangsarbeiterlager vor, um zum ersten Mal in der Originalsprache und der ?bersetzung ins Deutsche ?ffentlich vorgestellt zu werden. Als Baustein der Verneinung jeglicher Gewaltherrschaft und somit als Bekenntnis zur Menschlichkeit.
Nicht alle Lieder, Gedichte, Tagebuchaufzeichnungen, Briefe und Bilder entstanden zwischen 1939 und 1945. Viele danach. Manchmal kann ein Moment ein Leben lang dauern.
Nur wenige der zur Zwangsarbeit Deportierten waren Dichter, Maler oder Musiker. Dennoch formten sich in vielen innere Bilder - in jener Zeit, in der sich die Grenzen des menschlichen Daseins ins Unvorstellbare dehnten. Verse, Linien, Melodien entstanden.
Dem einen half der Glaube an Gott, dem anderen ein Spottgedicht oder das Singen von Liedern aus der Heimat. Beim Schreiben von Tagebuchnotizen und Briefen sammelte sich die Konzentration des Individuums gegen Entw?rdigung und Unterdr?ckung. Selbst das Warten auf Post oder das Ber?hren eines Fotos st?rkte den inneren Widerstand, sowie der Griff nach dem S?ckchen mit Heimaterde, verborgen unter der Matratze, oder Zorn und Wut und die nie versiegende Hoffnung auf das Ende der Schmach, vor allem aber, wie aus unz?hligen Biographien bekannt ist, die Liebe.
Der F?cher der Kr?fte, die sich verneinend gegen die Herrschaft von Gewalt stemmten, spiegelt sich heute in den Zeichen derer, die versuchten, sich durch die k?nstlerische Form zu retten.
Die wenigen hier versammelten Werke, ausgew?hlt aus einer betr?chtlichen Anzahl, sprechen im Namen aller, die damals gelitten haben, zu denen, die heute den Blick in die Vergangenheit nicht scheuen.
In Trauer und Ehrfurcht neige ich mich vor den Toten und vor den Frauen und M?nnern, deren Jugend im Schlagschatten des Hakenkreuzes zerbrach. Viel zerbrach. Ihre W?rde und ihre innere Freiheit aber wussten sie zu sch?tzen. In hohem Alter streckten sie ihre Hand zur Vers?hnung aus und reichten mir Ihre Texte und Zeichnungen f?r dieses Buch.
Aus der pers?nlichen Begegnung mit Menschen aus der Ukraine - w?hrend einer Woche der Spurensuche ehemaliger Zwangsarbeiter in Bochum - wuchs der Plan zu einem gemeinsamen Buch.
Rhythmisch baut es sich mit den Stimmen aus acht L?ndern in einer klaren Linie auf - von der stillen Betrachtung aus sich steigernd zu Spott und Sarkasmus, von der unabwendbaren allt?glichen Bedr?ngnis, von der Sehnsucht nach der Liebsten - bis hin zu dem Unvorstellbaren und Unaussprechlichen, wobei sich die Zeit der Zeit zu entheben scheint, als m?sse das Thema immer wieder von einer bisher nicht gesehenen Seite betrachtet oder von einer bereits betrachteten Seite erneut aufgenommen werden.
Um die finstre Vergangenheit f?r eine helle Zukunft im Dialog in die Gegenwart heben zu k?nnen, wurden auch deutsche Autorinnen und Autoren um Beitr?ge gebeten.
Da der Gedanke "Zwangsarbeit", der Gedanke, einen anderen Menschen dem eigenen Nutzen untertan zu machen, d. h. ihn zu versklaven, ihn wie eine Sache fremdzubestimmen - im vergangenen Jahrhundert in Deutschland zu Ende gedacht -, zu Auschwitz f?hrte, wurden entsprechende Texte aufgenommen, sowie Bilder von italienischen K?nstlern aus Internierungslagern und Ausschnitte aus "Labyrinthe" von Marian Kolodziej.
Am Ende seines Lebens schuf Kolodziej ein Werk, das man "Die Apokalypse des zwanzigsten Jahrhunderts" nennen k?nnte, "Meine Zeichnungen entstehen aus meiner Krankheit heraus. Das Zeichnen wurde zum Lebenskampf. Ich wollte, wenn auch nur ein wenig, dieser Krankheit entrinnen."
Heute spiegelt sich Europa in der Hoffnung seiner V?lker auf Frieden und Freiheit.
Vor mehr als sechzig Jahren wurde es, wie Enzo Orlanducci schrieb, in den Baracken der NS-Lager aus dem Leid einer Jugend geboren, deren innerer Widerstand die Finsternis einer kristallklaren Bestialit?t durchbrach.
Von ganzem Herzen danke ich den K?nstlern und allen Autorinnen und Autoren, die mir ihre Bilder und Worte f?r dieses Buch anvertraut haben. Ich danke meinen Freundinnen und Freunden, die mir stets beratend und ermunternd zur Seite standen, den MitarbeiterInnen der Archive, die mir Auskunft gaben, Alfred B?ngen, der mich bei den ersten Schritten begleitet hat, und ganz besonders Waltraud Jachnow und Wolfhart Matth?us f?r ihre unerm?dliche ?bersetzungs- und Beratert?tigkeit, sowie der Gesellschaft Bochum-Donezk e.V.
Nicht zuletzt gilt mein Dank der Stiftung der Sparkasse Bochum zur F?rderung von Kultur und Wissenschaft und den Bochumer Stadtwerken, durch deren finanzielle Hilfe diese Sammlung zu einem Buch werden konnte.
Product details
Binding:
Paperback
Edition:
1
Number of Pages:
432
Release Date:
2004-12-22
Publication Date:
2004-12-22
Publisher:
Geest-Verlag GmbH
Languages:
Original:
Dutch,
Original:
Polish,
Original:
German,
Original:
Russian
ISBN10:
3937844422
ISBN13:
9783937844428
Weight:
612 g
Height:
139 cm
Width:
203 cm
Thickness:
30 cm
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