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Radebold, Hartmut: Kindheiten und Jugendzeit im 2.Weltkrieg
Viele Menschen, die jetzt hilfe- und pflegebedürftig sind oder werden, gehören der Generation der sogenannten "Kriegskinder" an. Gerade während des Alterns, der Zeit der Rückbesinnung, wird häufig erst das Ausmaß der Erlebnisse und auch Traumatisierungen deutlich. Hartmut Radebold, selbst einer der letzten Zeitzeugen, beschreibt die traumatischen Erfahrungen der Kriegskinder wie etwa Verlust von Haus und Heimat, Flucht, Vertreibung, Evakuierung, Bombardements und Verlust oder Trennung von nahen Angehörigen gepaart mit der allgemein herrschenden Unsicherheit - denn niemand wusste, ob man die nächste Bombennacht überleben würde.
Die Folgen dieser Erlebnisse wurden in der Zeit des Wiederaufbaus gar nicht wahrgenommen - schließlich hatte man anderes zu tun und krempelte die Ärmel hoch - sie bahnen sich jedoch jetzt, im Alter, ihren Weg aus dem Unbewussten und zeigen sich als diffuse Ängste, "unerklärliche" Panikattacken, Demenz, wiederholte Beziehungsabbrüche und Depressionen.
Radebold setzt sich seit Jahrzehnten mit dem Altern auseinander. Er gründete das Institut für Alterspsychotherapie und behandelte ältere Menschen schon therapeutisch, als im therapeutischen Bereich der allgemeine Tenor vorherrschte, Therapie bei Menschen, die älter sind als fünzig, sei nicht sinnvoll. Er zeigt Wege, wie Betroffene und diejenigen, die sie begleiten und betreuen, mit den Erfahrungen und deren Folgen umgehen können.
Prof. Dr. Hartmut Radebold (* 1935) ist emeritierter Universitätsprofessor, Arzt für Nervenheilkunde, Psychoanalyse und Psychotherapeutische Medizin sowie Lehr- und Kontrollanalytiker (DPV). Von 1976 bis 1998 hatte er einen Lehrstuhl für Klinische Psychologie an der Universität Kassel inne und ist Begründer des Lehrinstituts für Alterspsychotherapie.
Vortrag im Hospitalhof am 18. November 2014 in Stuttgart, ca. 56 Min. auf 1 CD