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Tumbas - Gräber von Dichtern und Denkern

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Tumbas - Gräber von Dichtern und Denkern

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Description
"Welches Grab war das erste, das ich beschrieben habe, als ich noch nicht an dieses Buch dachte? Ich war schon ?ber vierzig, ein viel zu sp?ter Leser von Proust; und auch dort, auf dem P?re Lachaise, dieses Gef?hl, fast so etwas wie ein Verwandter zu sein, das Gef?hl, zuviel zu wissen. Es war 1977, ich war noch ganz erf?llt von Albertine und Charlus, von der Herzogin von Guermantes und Norpois, von Bloch und Elstir. Und es war ein Novembertag. Allerseelen, kalt und winterlich. Die Lebenden besuchten die Toten, und ich besuchte die meinen und hielt fest, was ich sah und dachte. Die Bestsellerliste des Todes wurde von Balzac angef?hrt: Er hatte vier Str?u?e Chrysanthemen und zwei brennende Lichter. Proust mu?te sich mit zwei kunstlos abgelegten Str?u?chen rostfarbener Astern zufriedengeben. G?rard de Nerval mit einem einzigen ganz kleinen, r?hrenden Strau? blauer Bl?mchen. Heute, so viele Jahre sp?ter, sehe ich das Blau dieser Vergi?meinnicht noch vor mir. Balzac und Nerval liegen an derselben Gasse, der eine schr?g gegen?ber vom anderen; wer zu Proust m?chte, mu?, wie auch Besucher von Piaf, den Weg verlassen - ohne die Landkarte dieses Totenreichs w?rde man sein Grab nicht finden. Als ich davor stand, wu?te ich nicht so recht, was ich denken sollte. Es ist ja auch verwirrend. W?hrend ein Grab Anwesenheit vort?uscht - schlie?lich steht ein Name darauf, liegt ein Toter darin -, bezeichnet es nat?rlich gerade die Ab-Wesenheit einer Person: Proust ist nirgendwo mehr, also auch nicht hier. Und dennoch, angesichts der konkreten schwarzen marmornen Form des Grabes wiegt man sich einen Moment in der Illusion, er sei anwesend, man sei bei ihm; wenn es nicht albern w?re, w?rde man du c?t? de chez lui sagen und dabei an zwei schmale Kircht?rme irgendwo in der Normandie denken, haben sie doch im Leben des Kindes, das zu dem Mann werden sollte, der nun in dem Grab liegt, eine so wichtige Rolle gespielt, da? er mich durch die Art, wie er dar?ber geschrieben hat, heute noch zwingt, ?ber ihn und seine verlorene und wiedergefundene Zeit nachzudenken. Warum? Weil er diese Zeit nicht nur f?r sich, sondern f?r jeden, der ihn liest, wiedergefunden hat. Aber bin ich denn bei ihm? Ist nicht vielmehr er mit seinem ganzen Leben, mit all den Figuren, von denen ich nie geh?rt h?tte, wenn ich ihn nicht gelesen h?tte, zu mir gekommen? Es ist nichts zu machen, ich werde einfach das Gef?hl nicht los, da? dieses schwarze, gl?nzende Grabmal vor mir randvoll mit verdichteter Zeit ist, mit wiedergefundener Zeit, die der Autor von der verlorenen zur?ckerobert hat, so da? dem Leser noch eine nebul?se Ahnung davon bleibt, wer Charlus oder Madame Verdurin oder Albertine waren, Schemen, die sonst f?r immer verschwunden w?ren wie all ihre unbeschriebenen Zeitgenossen." (Cees Nooteboom). ". Auch zwischen Tausenden von Grabsteinen habe ich nie das Gef?hl, da? ich bei einem Toten zu Besuch komme. Das Verh?ltnis ist immer ein pers?nliches, auch zu Dichtern, die schon so lange tot sind wie Vergil, H?lderlin, Leopardi. Sie geh?ren zu meinem Leben, weil sie dieses Leben auf die unterschiedlichste Weise und in den unterschiedlichsten Augenblicken begleitet haben .". Cees Nooteboom, der die Kontinente bereist und die Welten der Literatur durchwandert hat, besucht seine "geliebten Toten", wo immer er sie findet, um Zwiesprache mit ihnen zu halten, sich ihrer Worte, ihrer Unsterblichkeit zu versichern. Er pilgerte zu Keats und Shelley auf den "Friedhof der Fremden" in Rom, wo auch Goethes Sohn und die S?hne Wilhelm von Humboldts liegen; zu Thomas Mann, James Joyce und Elias Canetti nach Z?rich; zu Balzac, Proust und Nerval auf dem Pariser P?re Lachaise; zu Brecht und Hegel, die nah nebeneinander auf einem kleinen Friedhof im Osten Berlins begraben sind. Die Gedanken, die er sich angesichts der so verschiedenartigen letzten Ruhest?tten gro?er Dichter, Schriftsteller und Philosophen gemacht hat, die Verse und Worte, die sie in ihm wachriefen, sind wie immer bei Nooteboom lesenswert und ?beraus anregend. Simone Sassen, als Photographin auf Kulturreisen spezialisiert, hat gemeinsam mit ihrem Mann Cees Nooteboom bereits zwei B?cher ver?ffentlicht: Road to Santiago und Berlin Notes.
Product details
Edition:
1
Number of Pages:
255
Release Date:
2006-09-20
Publication Date:
2006-09-30
Publisher:
Schirmer /Mosel Verlag Gm
Languages:
Original: German
ISBN10:
3829602669
ISBN13:
9783829602662
Weight:
1511 g
Height:
231 cm
Width:
287 cm
Thickness:
29 cm

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