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Jeanne Mammen, Rimbaud-Übertragungen
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Description
Es ist ausgerechnet der Zivilisationsexilant Arthur Rimbaud, in dessen aufr?hrerisches Werk Mammen sich nachdr?cklich vertieft, ein schmales Werk, geschaffen in wenigen jugendlichen Jahren, das zugleich den h?chsten Punkt dichterischer Freiheit, unreglementierten Lebenswillens und genereller Formdestruktion markiert. Es ?bersteigt die Poesie eines Charles Baudelaire, Comte de Lautr?amont, St?phane Mallarm? oder Paul Verlaine in Unberechenbarkeit, Leidenschaftlichkeit und sprachlicher Kraft.
Mammen kommt das ?Ereignis Rimbaud? in ihrem selbst gew?hlten Exil offensichtlich gerade recht. Und so sitzt sie zwischen den sorgsam arrangierten Erinnerungs-, Natur- und Kunstst?cken, den Farbt?pfen, Bildern und Zeichnungen allein an ihrem Tisch und beginnt mit der ?bertragung des Radikalsten des Autors, mit Une Saison en Enfer (1873), Eine Jahreszeit in der H?lle.
Sicherlich l?sst sich solch eine ?bersetzungs?bung in dieser Situation auch rein symbolisch verstehen, das w?re naheliegend. Doch wird mit der Lekt?re schnell deutlich, dass Rimbauds zerkl?ftete, unreine Textgebilde zwischen vulg?rer Prosa und erhabensten poetischen Ausbr?chen, zwischen ?sthetischem Programm und bitterstem Selbstbekenntnis in seiner komplexen Widerspr?chlichkeit zwischen ?Energie und Elend? letztlich ?ber Resignation hinausweisen. Schon die Tat der ?bersetzungsarbeit selbst verk?rpert den Aufstand wie f?r Rimbaud das Schreiben. ?Alle Ungeduld, das Dr?ngen, die Entt?uschung, die Bitterkeit, alles, was Rimbauds >H?lle< bev?lkerte, erkennt er nun als die Sehnsucht und Angst des Lebens selbst.? Auch sollte nicht vergessen werden, dass gerade in diesem Zyklus des ?gro?en Ge?chteten? das Politische nicht nur zwischen den Zeilen zu suchen ist.
Mammens ?bertragung ist wie ihre Kunst unpathetisch, von Alltagssprache und Jargon durchsetzt. Sie will ihren Rimbaud ungek?nstelt, nahe der emotionalen Ehrlichkeit und Bildwirklichkeit, die dieser Dichter verbreitet. Sie liebt es, die Endsilben der Verben in Berliner Schnoddrigkeit zu verschlucken, um dann wieder entlegene, kuriose Worte zu nutzen, die eine poetische Fremdheit bis hin zum Unverst?ndnis verst?rken. Sie arbeitet auch hier unabh?ngig und findet einen eigenen Ton. Insgesamt ist das Vorhaben sensationell, zumal im 20. Jahrhundert eher eine m?nnliche Dom?ne in ?bersetzung und Interpretation Rimbauds ausgepr?gt ist. Auch gibt es eigentlich kaum (keine?) bildenden K?nstlerinnen und K?nstler, die Lyrik ?bertragen, Lyrik verfassen (seit Michelangelo) schon.
Leider haben sich ihre Exerzitien zu Une Saison en Enfer nur in wenigen Fragmenten erhalten. So fehlt jene Passage,? in der K?nstler und Poeten jenseits eines Paragone in ihrer Liebe zum Unspektakul?ren und Nichterhabenen zusammenkommen: ?Ich liebte einf?ltige Zeichnungen, die Gesimse ?ber den T?ren, B?hnendekorationen, die Zelte der Gaukler, Wirtshausschilder, bunte Bilder f?r das Volk; die aus der Mode gekommene Literatur, das Latein der Kirche, erotische B?cher mit fehlerhafter Rechtschreibung, die Romane unserer Gro?v?ter, Feenm?rchen, B?chlein?f?r Kinder, alte Opern, harmlose Kinderreime, naive Melodien.? Solche ?sthetik einer Subversion, die schon in der Romantik zu glimmen beginnt und aus deren Geist sich die k?nstlerische Moderne von Surrealismus, Dadaismus bis Fluxus, Pop und weiter n?hren wird, d?rfte nicht allein der Illustratorin Mammen gefallen haben, sondern auch der Sammlerin und selbstverst?ndlich der K?nstlerin. Rimbaud, der 1872 in London zusammen mit Verlaine nicht von ungef?hr durch Felix R?gamy unterst?tzt wurde, dem Karikaturisten, Mitglied der K?nstlervereinigung von Gustav Courbet und Fl?chtling nach dem Zusammenbruch der Commune in Paris, formuliert hier eine ?Liebe?, die den kreativen Denkraum f?r die Zukunft der K?nste grundlegend beeindrucken sollte. Der schon immer an Bild-Text-Ph?nomenen interessierte Michel Butor weist in diesem Zusammenhang ausdr?cklich auf Rimbauds Bildkosmos der illustrierten B?cher und Zeitschriften, der Postkarten und Fotografien, deren Faszination sich im Schreiben des Dichters spiegelt. Entsprechend sind dessen sprachliche Bildsch?pfungen kaum klassizistisch, erhaben oder bildungsb?rgerlich zu nennen. Sie besitzen den r?udigen Charme eines Magazindrucks.(Michael Glasmeier)
Product details
Binding:
Paperback
Edition:
1
Number of Pages:
126
Publication Date:
2017-10-04
Publisher:
Textem Verlag
Languages:
Original:
German
ISBN10:
3864851866
ISBN13:
9783864851865
Weight:
137 g
Height:
108 cm
Width:
180 cm
Thickness:
15 cm
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