{"product_id":"stevan-tontic-im-auftrag-des-wortes-9783935221399","title":"Im Auftrag des Wortes","description":"Vorwort\n\u003cbr\u003e\nIn diesem Buch findet der Leser eine Auswahl meiner zu den verschiedensten Gattungen geh?renden Texten, die in den letzten zw?lf Jahren geschrieben und ver?ffentlicht wurden. Was diese Gedichte, Erz?hlungen, Essays, Protestbriefe, Reden und Gespr?che dennoch zu einer Art Antikriegsfibel vereint, sind die tragischen historischen Ereignisse, die in mein Schicksal und in das meines Landes j?h eingegriffen und mein Schreiben entscheidend ver?ndert haben. Gemeint sind die Ereignisse in der Zeit der (post)jugoslawischen Kriege, insbesondere w?hrend des ?beraus entsetzlichen bosnischen Krieges (1992-1995), den ich am eigenen Leib erfahren habe, sowie in der Zeit meines Exils in Deutschland (1993-2001), in die (1999) auch noch der NATO-Krieg gegen das unliebsame \"Restjugoslawien\" - Serbien und Montenegro - fiel. Mit diesem Krieg setzte das westliche Milit?rb?ndnis der blutigen Geschichte des Balkans, aber auch der des europ?ischen 20. Jahrhunderts, die Krone auf.\n\u003cbr\u003e\nBeinahe alles, was ich seit 1992 bis heute geschrieben habe, steht in einem Zusammenhang mit der Apokalypse des Krieges in Sarajevo, Bosnien und Ex-Jugoslawien. Ich schrieb aus einer inneren Auflehnung gegen die L?gen der Kriegsideologen und deren Trabanten in den Medien, aber auch weil ich mich verpflichtet f?hlte, in dichterischer Sprache Zeugnis ?ber die Kriegsgreuel, ?ber die Hybris abzulegen, ?ber die man unm?glich schweigen kann. Ich sp?rte diese Verpflichtung - insbesondere wenn die Ha?propaganda einen ihrer hysterischen H?hepunkte erreichte - als den Auftrag einer absolut anderen, menschlich und dichterisch glaubw?rdigen Sprache. In der Zeit des entfesselten B?sen war dieser Auftrag ein Pr?fstein sowohl f?r die Ethik als auch f?r die ?sthetik des dichterischen Wortes. ?ber die Schrecken des Krieges habe ich w?hrend des Krieges selbst (in meinem Lyrikband Handschrift aus Sarajevo) und noch mehr im Exil - das Exil ist ja meist eine direkte Folge des Krieges - geschrieben.Meine Exilerfahrungen sind zwiesp?ltig. Auf der einen Seite bedeutet das Exil, den Boden unter den F??en zu verlieren, auf der anderen ist es das rettende Ufer. Mit dem Verlust des Bodens unter den F??en meine ich nicht in erster Linie den vielbeweinten Verlust der Heimat, aus der zu fl?chten manchmal heilsam ist, sondern das Abgeschnittensein von der sprachlichen und kulturellen Gemeinschaft, der man selbstverst?ndlich angeh?rt. Auf der Verlustseite verbucht man insbesondere die Existenzgrundlage. Zudem verliert man im Exil - als h?tte es sie zuvor im ?berflu? gegeben - einige Menschen- und B?rgerrechte.Aber bei allem ?bel hat das Exil auch seine guten Seiten. Vor allem rettet man seinen auch noch so verr?ckten Kopf, an dem einem offensichtlich am meisten liegt. Man erlernt die Sprache des Landes, das einem das Aufenthaltsrecht (wenn auch nur die Duldung) gew?hrt, man lernt seine Menschen, Institutionen, Sitten und Gebr?uche kennen. Zuweilen geschieht es auch, da? man fortan das eigene ungl?ckselige Heimatland und auch das eigene bisherige Leben aus einem anderen, kritischeren Blickwinkel sieht.Diese neue Optik hilft nun, Dinge und Ereignisse, ja sogar jenes, was man als den intimsten Besitz, um nicht zu sagen als das \"Verm?chtnis\" der eigenen, schon halb verr?ckt gewordenen Seele mit sich tr?gt, genauer zu beurteilen. Und das Exil - man bedenke nur! - beraubt einen auch der Gelegenheit, sich in einer Notlage vielleicht die H?nde blutig zu machen. Denn die Gelegenheit macht nicht nur Diebe, wie der Volksmund sagt, die Gelegenheit macht im Krieg auch Verbrecher.\n\u003cbr\u003e\nWenn man dann zuf?llig ein Dichter ist, der auch noch ?bersetzt und ver?ffentlicht wurde, dann beschert einem das Exil ausnehmend sch?ne, sogar innige Bekanntschaften und Freundschaften, ohne die der Druck des Exilantenschicksals schwer zu ertragen w?re. Diese Bekanntschaften und Freundschaften waren und sind f?r mich au?erordentlich kostbar. Ihnen habe ich zum gro?en Teil die Entstehung, die ?bersetzung und die Ver?ffentlichung dieses Buches zu verdanken, das es in dieser Form als Original nicht gibt.Diese kurze Einleitung schreibe ich nicht in Sarajevo, wohin ich Ende 2001 zur?ckgekehrt bin, sondern in dem kleinen Ort Kaditzsch, eine halbe Autostunde ?stlich von Leipzig, wo ich vor einigen Tagen ankam, um zwei Monate in der K?nstlerkolonie Denkmalschmiede H?fgen zu verbringen. Dazu hat mir die Heinrich-B?ll-Stiftung verholfen, deren Hilfsbereitschaft ich schon 1993\/94 erfuhr, da ich als neuer, psychisch zerm?rbter Exilant und Kriegsfl?chtling neun aufbauende Monate in B?lls Haus in der n?rdlichen Eifel genie?en durfte. In diesem gastfreundlichen, mir unverge?lichen Haus in Langenbroich entstanden auch einige der Texte dieses Buches wie etwa die Erz?hlung von dem Vogel, der in einer Mauerspalte hinter meinem unruhigen Kopfkissen hoffnungslos eingeklemmt war. Es fiel mir nicht schwer, mich mit ihm zu identifizieren.\n\u003cbr\u003e\nNun lebe ich als arbeitsloser \"Heimkehrer\" im heutigen Sarajevo, im Staat Bosnien und kehre wiederum von Zeit zu Zeit in \"mein\" Deutschland zur?ck, um noch ein Jahr hinter mich zu bringen, um noch einen deutschen Lyriker ins Serbische zu ?bersetzen. Auf die Frage, wo ich eigentlich lebe, antworte ich oft, ich versuche, in Sarajevo zu leben, denn ich habe mich auf ein Experiment mit ungewissem Ausgang eingelassen.In Wirklichkeit pendele ich jedoch immer noch zwischen Sarajevo und Berlin.\n\u003cbr\u003e\nStevan TonticKaditzsch, im Juli 2004","brand":"Liebe, Ralf","offers":[{"title":"Used - very good","offer_id":53373925687638,"sku":"9783935221399-V","price":3.49,"currency_code":"EUR","in_stock":false}],"thumbnail_url":"\/\/cdn.shopify.com\/s\/files\/1\/0925\/5829\/5382\/files\/product_image_9783935221399_1_7ec3dfca-b866-498a-81d9-2a371d9f7c04.jpg?v=1778118014","url":"https:\/\/www.momoxbooks.com\/products\/stevan-tontic-im-auftrag-des-wortes-9783935221399","provider":"momoxbooks","version":"1.0","type":"link"}