{"product_id":"rakow-reinhard-winterreise-9783866853171","title":"Winterreise","description":"\"Schubert wurde durch einige Zeit d?ster gestimmt und schien angegriffen. Auf meine Frage, was in ihm vorgehe, sagte er nur, ,Nun, ihr werdet es bald h?ren und begreifen.' Eines Tages sagte er zu mir, ,Komme heute zu Schober, ich werde euch einen Zyklus schauerlicher Lieder vorsingen. Ich bin begierig zu sehen, was ihr dazu sagt. Sie haben mich mehr angegriffen, als dieses bei anderen Liedern der Fall war.'\" So berichtet Josef von Spaun, einer derer, die vorgaben, ,Freund' mit Schubert gewesen zu sein, ?ber die Ent-stehung von dessen ,Winterreise'.So f?hrte denn der Titel ,Winterreise' per se zu einer ,schauerlichen' Anthologie? Nein doch. Schon die ?ffnung der Thematik ins Schubertlose, Un?berbaute, evoziert Wintergedicht und Reisebericht, zart, kauzig, spannend zuweilen, doch schauerlich kein bisschen und selten angreifend. \"Er reist, und es ist Winter. Nein, keine Winterreise! Es gibt einen Unterschied zwischen einer Reise im Winter und einer Winterreise.\" Eine Neunzehnj?hrige, Alva L?tt, fetzt uns diese Erkenntnis ins Stammbuch, so apodiktisch-l?ssig, dass uns ein spontanes \"Bravo!\" entf?hrt. Entfahren will. Den Einspruch bringen an Denker, die etwas von ihrer Causa verstehen, und mithin den Subtext zu entlarven wissen, der im Winter mitschwingt wie im Reisen - selbst im Reisen per Flieger nach Kairo, selbst im schr?gsten Witz einer Situation \"nachts um drei am Arsch der Welt.\"Womit wir dann doch wieder bei Schubert w?ren und seiner ,Winterreise'. Manch einem, der sie inhaliert hat (wie ein Asthmatiker sein Cortison, ein Bergsteiger sein Ozon), stellt sie sich dar als Ausformung von Schuberts Satz, dass keiner den Schmerz und die Freude des andern verstehe: \"Man glaubt immer, zueinander zu gehen, und man geht immer nur nebeneinander.\" Es finden sich Texte in diesem Buch, die den existenzialistischen Kern dieses Gedankens so gna-denlos freilegen, dass einem fr?stelt beim Lesen. Nicht der Tod selbst wird verhandelt, wei? Silvia Berger: \"Es ist nicht der Tod, es ist viel schlimmer, es ist das Weiterlebenm?ssen, in dieser Eisesk?lte.\" Dieses Weiterlebenm?ssen nimmt in diesem Band mannigfache Gestalt an, funkelnd bisweilen in sprachlicher Virtuosit?t, herb und spr?de, von k?hler Eleganz, trefflich schneidend. Bei Michael Wenzel hei?t es P?ppi und leidet Glasknochenkrankeit. Bei Anna-Kathrin Warner hei?t es Lili, ist Rum?nin und geht schwanger von einem deutschen Herren. Heinrich Beindorf nennt es Cora, segnet es mit Kindern und einem Typen, der wegen Hartz IV sein Lebtag nie wieder arbeiten will \/ kann \/ darf. Ulf Gro?-manns Paar steht st?ndig den \"Balanceakt\"\" des \"Nebeneiander statt zusammen, aber wenigstens nicht allein.\" Den Sohn einer Verstorbenen l?sst Gro?manns Dennoch-Weiter-So aufschreien: \"Mir fehlen die Worte, und ich sage genau dies in deine allm?chtige Pr?senz. Wir schweigen beide. Und immer noch so laut. Alles dr?hnt in meinen Ohren.\" Die dem Siechtum des Vaters ausgelieferte Tochter hingegen, mit deren Lebensqual Helga B?rster uns konfrontiert, scheint so ermattet, so leer und stumpf und taub, dass sie nicht einmal das Dr?hnen der Leere noch wahrnehmen kann.W?re die Aussage der ,Winterreise' also eine nihilistische? Das Werk, wie Dieter Richter erw?gt, deshalb so beliebt, weil dieser (vermeintliche) Nihilismus zentrale Elemente unseres modernen Lebensgef?hls zum Ausdruck bringe? Peter Schleuning schreibt von Trotz und Aufbegehr des Leiermanns, Thomas Ehlert vom Geborgensein in Gott. Dagmar Dusils Soldat prophezeit der Kranken eine lange Reise, und die Krankenschwester entgegnet: \"Vielleicht (.) vielleicht auch nicht. (.) Der Fr?hling kann im Winter versteckt sein, dann schlagen die B?ume Hoffnungen aus. Sie ist stark, st?rker als wir glauben.\"Im Herbst 1827 vollendete Schubert die ,Winterreise'. Wie viele Schriften bis heute, 184 Jahre sp?ter, zu ihr entstanden sein m?gen? Wie viele Regalmeter diese wohl f?llen? Wie viele Geb?ude? Das vorliegende Buch erweist der ,Winterreise' (und dem ,Winter', und dem ,Reisen') facettenreich Referenz, indem es oft genug neue Sichten er?ffnet, ungew?hnliche T?ne anschl?gt, und so Seite f?r Seite von der Aktualit?t des Themas k?ndet. Es belegt und es birgt die Gedanken und die Sprache unserer Zeit. Die eine andere ist als die Schuberts, auch die Sprache hat sich ver?ndert und das Denken. Aber die Frage nach dem In-die-Welt-Geworfen-Sein und nach dessen Sinn ist geblieben.Dass dieses Buch die R?tsel der ,Winterreise' nicht w?rde l?sen k?nnen, war von vornherein klar. Dieses nicht und gewiss auch keines der B?cher, die in den kommenden 184 Jahren wom?glich noch geschrieben werden. Das Mysterium bleibt und die Gr??e der Fragen und die Intensit?t des Nachdenkens. Schubert sei Dank.","brand":"Geest-Verlag GmbH","offers":[{"title":"Default Title","offer_id":53687823204694,"sku":null,"price":0.0,"currency_code":"EUR","in_stock":false}],"thumbnail_url":"\/\/cdn.shopify.com\/s\/files\/1\/0925\/5829\/5382\/files\/product_image_9783866853171_1.jpg?v=1778855673","url":"https:\/\/www.momoxbooks.com\/products\/rakow-reinhard-winterreise-9783866853171","provider":"momoxbooks","version":"1.0","type":"link"}