{"product_id":"hannes-kuch-philosophien-sprachlicher-gewalt-9783938808986","title":"Philosophien sprachlicher Gewalt","description":"Sprache und Gewalt können ohne Zweifel gegeneinander\nwirken: Die dialogische Kraft des Gesprächs vermag\nden gewaltsamen Konflikt zu suspendieren. Zugleich\njedoch bilden Sprache und Gewalt nicht nur einen\nGegensatz, sondern sind auch aufeinander bezogen: So\nkönnen wir in der Sprache vergangene Gewalttaten wieder\nwachrufen oder zukünftige androhen. Doch Sprache\nund Gewalt sind auch ineinander verwoben: Sprache\nselbst kann verletzen. Die Edition fragt nach diesem\nintrinsischen Zusammenhang von Sprache und Gewalt.\nSie zeigt anhand von unterschiedlichen philosophischen\nGrundpositionen, dass sich die Gewalt der Sprache\nvom ›verletzenden Sprechakt‹ auf der einen bis hin zur\n›strukturellen Ur-Gewalt‹ der Sprache auf der anderen\nSeite erstreckt.\nDie ›Gewalt der Sprache‹ entfaltet der Sammelband anhand\nvon ausgewählten Autorenportraits, die vom philosophischen\nKlassiker (Platon oder Hobbes) bis hin zu\nviel diskutierten Gegenwartsdenkerinnen und -denkern\nreichen (Honneth oder Butler). Ihren philosophischen\n›Gesprächspartnern‹ nähern sich diese Porträts dabei\nauf unterschiedlichen Wegen: Ein Teil der Beiträge hat\neher einführenden Charakter und stellt einen etablierten\nDenker im Diskurs um sprachliche Gewalt vor (etwa\nNietzsche oder Derrida). Ein anderer Teil der Beiträge\nsetzt sich mit solchen Philosophien auseinander, bei denen\nsprachliche Gewalt ein bisher nur wenig beachtetes\nMotiv darstellt (etwa bei Hegel oder Wittgenstein). Ein\nletzter Teil schließlich widmet sich gerade jenen Philosophen,\nbei denen Sprache und Gewalt Antipoden bilden\n(etwa Buber oder Habermas), um diese Entgegensetzung\ngegen den Strich zu lesen. Drei unterschiedliche Zugänge\nzu Philosophien sprachlicher Gewalt lassen sich also\nunterscheiden: Der rekonstruktive Zugang arbeitet ein\nbestimmtes Konzepte sprachlicher Gewalt bei einem\nPhilosophen heraus. Der konstruktive Zugang erarbeitet\nein spezifisches Verständnis sprachlicher Gewalt\nmit einer bestimmten Philosophin. Der dekonstruktive\nZugang schließlich versucht die Überlegungen eines\nPhilosophen zur Entgegensetzung von Sprache und\nGewalt gegen diesen selbst zu denken. Rekonstruktion,\nKonstruktion, Dekonstruktion – das sind also die grundlegenden\nLektürestrategien der Beiträge.\nWährend die rekonstruktiven Beiträge eine Einführung\nin die festen Größen der noch jungen Debatte um\nsprachliche Gewalt bieten, erschließen die Beiträge mit\nkonstruktiven und dekonstruktiven Lesarten das Potenzial\nbislang weitgehend vernachlässigter Positionen.\nAuf diese Weise macht diese Edition eine ganze Reihe\nphilosophischer Grundpositionen überhaupt erst für\nden Diskurs um sprachliche Gewalt zugänglich. Deren\nBandbreite lässt sich holzschnittartig folgendermaßen\nunterteilen: (1) Als Beleidigung, Herabsetzung oder Demütigung\nkann sprachliche Gewalt in Form von konkreten\nSprechakten auftreten. Diese Ebene der Gewalt ist im\nAnschluss an John L. Austins ›performative Äußerungen‹\nuntersucht worden: Sprechen ist in dieser Hinsicht\nnicht nur ein Tun, sondern zugleich auch ein An-Tun. Im\nAnschluss an Austins Konzept des Performativen hat Pierre\nBourdieu gezeigt, dass das Kränkungspotenzial der\nRede in gesellschaftlichen Praktiken und Konventionen\nwurzelt. (2) Stärker sozialphilosophisch angelegte Theorien\nfragen dagegen eher nach den Bedingungen der\nMöglichkeit menschlicher Verletzbarkeit durch Sprache.\nPhilosophinnen und Philosophen dieses Paradigmas\nversuchen die Verletzbarkeit durch Worte vor dem\nHintergrund zu verstehen, dass Sprache nicht nur Medium\nder Information oder Verständigung ist, sondern\nvor allem eine Instanz, welche die Einzelnen durch ihre\nAnsprache ins Leben ruft. Während die Anrufung mit\ndem Eigennamen Identität stiftet, so argumentiert etwa\nJudith Butler, droht in der beleidigenden Benennung mit\nSchimpfnamen der traumatische Verlust von Identität.\n(3) Eine weitere Perspektive wird von diskursanalytisch\norientierten Ansätzen wie etwa denjenigen von Michel\nFoucault oder Gayatri Spivak eingebracht. In diesem\nRahmen wird die der Sprache innewohnende Gewalt in\nhistorisch situierten Regulierungen dessen verortet, was\nüberhaupt zur Sprache kommen kann. (4) Der Zusammenhang\nvon Sprache und Gewalt kann jedoch noch\nfundamentaler verstanden werden: So unterschiedliche\nPhilosophen wie Nietzsche, Adorno oder auch Derrida\nhaben auf je verschiedene Weise herausgearbeitet,\ninwiefern Gewalt nicht nur mit Worten ausgeübt wird,\nsondern in der Struktur der Sprache selbst liegt, weil\ndie Verfahren der Prädikation und Identifikation darauf\nberuhen, vom Einzelnen zu abstrahieren, um damit\ndas Ungleiche auf einen Nenner zu bringen. Bereits der\nSprache als Logos kommt dieser Perspektive zufolge daher\nimmer schon eine eigene Gewaltsamkeit zu.","brand":"Velbrück","offers":[{"title":"Used - good","offer_id":53300126548310,"sku":null,"price":0.0,"currency_code":"EUR","in_stock":false},{"title":"Used - very good","offer_id":53358357053782,"sku":"9783938808986-V","price":22.99,"currency_code":"EUR","in_stock":false},{"title":"Used - acceptable","offer_id":54160652697942,"sku":"9783938808986-B","price":31.79,"currency_code":"EUR","in_stock":false}],"thumbnail_url":"\/\/cdn.shopify.com\/s\/files\/1\/0925\/5829\/5382\/files\/product_image_9783938808986_1.jpg?v=1781230213","url":"https:\/\/www.momoxbooks.com\/products\/hannes-kuch-philosophien-sprachlicher-gewalt-9783938808986","provider":"momoxbooks","version":"1.0","type":"link"}