{"product_id":"felix-heinzer-der-landgrafenpsalter-9783201020244","title":"Der Landgrafenpsalter","description":"Seit Beginn des 19.? Jh.s z?hlt die Stuttgarter Landesbibliothek (die vormalige Handbibliothek des w?rttembergischen K?nigs Friedrich) eines der sch?nsten Werke der fr?hgotischen Buchmalerei zu ihrem Besitz - den Landgra?fenpsalter. Der Name dieser Handschrift steht in engster Beziehung zu? ihrem Auftraggeber. Landgraf Hermann I. von Th?ringen und Hessen wird nicht nur in der Litanei und den F?rbitten genannt. Sein Bildnis und jenes seiner zweiten Gemahlin Sophie, aus dem Geschlecht der Wittelsbacher,? findet sich auch an prominenter Stelle innerhalb der F?rstengalerie der? Litanei.\n\u003cbr\u003e\nHermann von Th?ringen (reg. 1190-1217) galt als r?cksichtsloser Politiker, der als erster deutscher F?rst eine gewisse Autonomie der landesf?rstlichen Gewalt gegen?ber dem Reichsoberhaupt durchzusetzen versuchte. Zugleich aber war er ein gro?herziger F?rderer der K?nste und Wissenschaften, ein Mann von feiner Bildung, der in Eisenach einen der kunstfreudigsten H?fe der damaligen Zeit unterhielt. Von der Bedeutung dieses F?rsten zeugt auch die Ausstattung seines Psalters, der sowohl in k?nstlerischer wie auch in technischer Hinsicht als Meisterwerk bezeichnet werden kann.\n\u003cbr\u003e\nAnlage und Gliederung des Textes entsprechen dem f?r Psalterhandschriften ?blichen Schema. Um das Hauptst?ck - ein Psalterium Gallicanum - gruppieren sich Kalendarium, Cantica, Allerheiligenlitanei und Totenofficium. Um die Handhabung des Gebetbuches (bei dem der Text nicht fortlaufend durchgelesen wird, sondern einzelne Passagen nach Bedarf rasch aufgeschlagen werden) zu erleichtern, bedurfte es einer deutlichen Gliederung des Textes. An diesen Z?surstellen bot sich dem Illuminator reichlich Gelegenheit zur Anbringung seines k?nstlerischen Schmucks.\n\u003cbr\u003e\nPraktisch alle Anfangsbuchstaben sind als goldene Majuskeln abgesetzt, die durch blaue, blattwerkartige Federzeichnungen noch bereichert werden. Einige Psalmen sind dar?ber hinaus noch durch kunstvoll verschlungene Initialen hervorgehoben, die bis halbseitige Gr??e erreichen k?nnen. Sie alle stehen auf Goldgrund, der mit Rot (mit Zinnober gemischtem Minium) unterlegt ist. Ihre Buchstabenk?rper bauen sich aus miteinander verflochtenen, verknoteten und zu Spiralen eingedrehten Bl?ttern auf, deren Enden in Tier- und Menschenfiguren auslaufen. W?hrend die B?nder formal noch der Fl?che verhaftet bleiben, enthalten das sich aufw?lbende Blattwerk und die anthropo- und zoomorphen Wesen bereits deutliche plastische Werte.\n\u003cbr\u003e\nNeben diesem ?beraus variantenreichen Initialschmuck - keine Initiale gleicht der anderen, jede Form scheint neu erfunden - sind es vor allem die insgesamt acht ganzseitigen Minaturen, die dem Landgrafenpsalter den Eindruck von Pracht und Kostbarkeit verleihen. Die jeweils auf den Versoseiten placierten, gr??ere Textabschnitte markierenden, goldgrundigen Bilder stellen uns Szenen aus dem Leben Christi in chronologischer Abfolge vor Augen. Von der Taufe im Jordan ?ber Kreuzigung, H?llen- und Himmelfahrt, Pfingsten, das J?ngste Gericht und eine Darstellung der Dreieinigkeit spannt sich der Bogen der Bildthemen bis hin zu einer Paradiesesszene. Der allgemeinen Zeitstr?mung mit ihrer starken ?ffnung gegen?ber der ?stlichen Kunst entsprechend, sind es vor allem byzantinische Gestaltungsprinzipien, die dem Miniator in stilistischer und ikonographischer Hinsicht als Vorbilder dienten. Wie weit diese vorgepr?gten Typen durch die Verkn?pfung mit eigenen Traditionen jedoch auch umgedeutet werden konnten, zeigt exemplarisch die Kreuzigungsminiatur. Hier wird der im Abendland beheimatete Topos der Kreuzigung als symbolisches Andachtsbild (erkennbar an der Anwesenheit von Ecclesia und Synagoge) mit einem byzantinischen Christustypus verbunden.\n\u003cbr\u003e\n?stliche Stilmerkmale finden sich auch an den Figuren des pr?chtig ausgestatteten Kalendariums, das dem Psalterium vorangestellt ist. Die durch eine architektonische Gliederung in zwei vertikale Abschnitte geteilten Monatsseiten erweitern den eigentlichen Kalender in der linken Spalte (mit Wochentagsbuchstaben, Bezeichnungen nach dem r?mischen Kalender und Tagesheiligen) rechts durch beinahe seitengro?e Darstellungen der Monatsapostel. ?ber diesen stark an plastischen Vorbildern orientierten m?nnlichen Figuren geben lebendige Genrebilder aus dem b?uerlichen Milieu eine zus?tzliche Kennzeichnung des jeweiligen Monats.\n\u003cbr\u003e\n?hnlich gerahmt wie das Kalendarium pr?sentieren sich jene Seiten, die der Litanei gewidmet sind. In die nach oben ausschwingenden Bogenfelder ?ber dem zweispaltig geschriebenen Text sind je zwei Brustbilder eingemalt. Unmittelbar nach Maria und Johannes sowie weiblichen und m?nnlichen Heiligen finden wir hier \"Sophia und Herman Lantgravius Turingie\", die die Bildnisse der \"irdischen\" Paare anf?hren. Ihnen folgen zwei Erzbisch?fe und Verwandte des Landgrafenhauses - die K?nigspaare von Ungarn (die Eltern von Hermann und Sophias Schwiegertochter Elisabeth) und B?hmen. Auch wenn diese F?rstenbilder noch nicht als Portr?ts anzusprechen sind, zeigt sich doch an Details bereits der zaghafte Versuch einer Individualisierung der dargestellten Pers?nlichkeit. Es sind die au?erordentlich sorgf?ltige Zeichnung der Figuren, die feine Modellierung der K?rper mittels farbiger Abstufungen, das dekorative Farbenspiel und die ?berreiche Verwendung von Gold, die den Bild- und Initialschmuck des Landgrafenpsalters so wertvoll erscheinen lassen.\n\u003cbr\u003e\n?ber die zeitliche Einordung der wahrscheinlich in einem th?ringisch-s?chsischen Skriptorium geschaffenen Handschrift verm?gen die F?rstenbilder Auskunft zu geben. Im Jahre 1211 erfolgte die Verlobung der vierj?hrigen Elisabeth von Ungarn mit dem Landgrafensohn Ludwig IV. 1213 wurde Elisabeths Mutter, K?nigin Gertrud, deren Bildnis in der Litanei noch enthalten ist, von Edelleuten ermordet. Zwischen diesen beiden Ereignissen d?rfte der Landgrafenpsalter entstanden sein. Nach dem Tod ihres Gatten im Jahr 1227 nahm die hl. Elisabeth den Codex von der Wartburg mit nach Marburg. Der weitere Weg dieses Meisterwerkes der staufischen Hofkunst ?ber das Kloster Weingarten (1628) nach Stuttgart (1806\/16) ist bis heute weitgehend ungekl?rt.","brand":"Akademische Druck-u.Vlgs.","offers":[{"title":"Used - good","offer_id":53489733271894,"sku":"9783201020244-G","price":50.49,"currency_code":"EUR","in_stock":false},{"title":"Used - very good","offer_id":53929301344598,"sku":"9783201020244-V","price":52.49,"currency_code":"EUR","in_stock":false}],"thumbnail_url":"\/\/cdn.shopify.com\/s\/files\/1\/0925\/5829\/5382\/files\/product_image_9783201020244_1.jpg?v=1778078970","url":"https:\/\/www.momoxbooks.com\/products\/felix-heinzer-der-landgrafenpsalter-9783201020244","provider":"momoxbooks","version":"1.0","type":"link"}