{"product_id":"birgit-fabianek-s-und-vergib-uns-unsere-schulden-9783880951549","title":"Und vergib uns unsere Schulden","description":"NACHFRAGEN UNERW?NSCHT Warum dieses Buch? ?ber die finanzielle Lage der katholischen Kirche wird zurzeit viel geschrieben. Die Schlagzeilen lauten: Der Kirche geht das Geld aus. Oder, weniger dramatisch: Die fetten Jahre sind vorbei, die finanziell unbeschwerten Zeiten der alten Bonner Bundesrepublik sind unwiederbringlich dahin. Nun kommen die mageren Jahre. Die Kirche muss ihren G?rtel enger schnallen. Wer genauer hinschaut, nimmt neben dem Jammern und Klagen ?ber Fastenzeiten und Verzicht noch anderes wahr: Bisch?fe, die mit dem Argument, sparen zu m?ssen, ohne viel Federlesens soziale und kulturelle Aktivit?ten beerdigen, die ihnen immer schon ein Dorn im Auge waren. Generalvikare, die den angeblichen Finanzdruck nutzen, um Gemeinden neu zu organisieren, deren Verwaltungen zu zentralisieren und so gleichsam nebenbei ihre Machtbasis vergr??ern. Nicht zuletzt liefern finanzielle Argumente Gr?nde, Mitarbeitern zu k?ndigen, die man sich nach eigenem Gutd?nken nicht l?nger leisten kann. Die Frage ist: Geht der Kirche tats?chlich das Geld aus? Oder liegt die Dramatik eher darin, dass Kirchenobere es jahrelang vers?umt haben, auf geringer werdende Mittel angemessen und mit Weitsicht zu reagieren? Sind die angedrohten und bereits umgesetzten Entlassungen von Mitarbeitern tats?chlich notwendig, um die Einrichtungen der katholischen Kirche vor dem Bankrott zu retten? So wie ein leckgeschlagenes Boot sich so schnell wie m?glich von allem Ballast befreit, um wieder flott zu werden? Oder ist das teilweise hektische Bem?hen, sich m?glichst schnell von m?glichst vielen Besch?ftigten zu trennen, nicht eher Ausdruck einer kopflosen Personalpolitik und der Unf?higkeit, professionell auf eine Krise zu reagieren? Sinken die Kirchensteuereinnahmen ?berhaupt in dem Ma?e, wie vielerorts behauptet? Und wenn ja w?re das so schlimm? Drohen alle anderen Quellen der Kirchenfinanzierung etwa zur gleichen Zeit zu versiegen? Welche Ausgaben der katholischen Kirchen werden ?berhaupt aus Kirchensteuermitteln bezahlt? Und wie hoch ist ihr Anteil an den Gesamtausgaben? Fragen, die immer aktueller werden. Die kirchlichen Besch?ftigten und auch die Kirchensteuerzahler haben das Recht auf eine Antwort. Grund genug f?r \u0026gt;Publik-Forum\u0026lt;, die wirtschaftliche Lage der 27 deutschen Di?zesen einmal unter die Lupe zu nehmen. Bereits wenige Wochen nach Beginn der Recherche stellten wir fest: Die Haushalte der Di?zesen zu durchleuchten ist leichter gesagt als getan. Anders als bei jeder Kommune gibt es f?r die deutschen Bist?mer keine Pflicht, ?ber ihre wirtschaftliche Situation Auskunft zu geben. Jeder Bischof kann f?r sich entscheiden, welche Daten und Zahlen seines Bistums er ?ffentlich macht und welche nicht. Die meisten Bisch?fe haben sich daf?r entschieden, die Haushaltspl?ne ihrer Di?zesen im Internet verf?gbar zu machen. Wohl auch, um dem Vorwurf der Geheimniskr?merei entgegenzutreten: Seht her, unsere Taschen sind gl?sern. Doch wer sich die Haushaltspl?ne n?her anschaut, stellt rasch fest: Was als ?ffentlich zug?nglicher Haushalt gilt, ist sehr interpretationsf?hig. Auf manchen Webseiten sind die Informationen zum Wappen des Bistums ausf?hrlicher als die zu Einnahmen und Ausgaben der Di?zese. Bibliografien ?ber bisch?fliche Publikationen und Berichte ?ber Ehrenpromotionen kirchlicher Amtstr?ger sind h?ufig leichter aufzufinden als Angaben ?ber Sparpl?ne und das Finanzgeschehen eines Bistums. Die einzigen Zahlen, die ?berall genannt werden, sind die Einnahmen aus Kirchensteuern. Also der Betrag, den jeder Kirchensteuerzahler sowieso auf seiner Gehaltsabrechnung nachlesen kann und dessen Gesamtsumme auch in den \u0026gt;Statistischen Jahrb?chern\u0026lt; der Bundesrepublik Deutschland auftaucht. Aber selbst diese Daten sind nicht vergleichbar: Bei einem Bistum stammen die j?ngsten Angaben aus dem Jahr 2002, andere Bist?mer pr?sentieren Zahlen aus dem Jahr 2004 oder 2005. Manchmal gibt es ein Archiv, in dem zur?ckliegende Haushaltspl?ne aufrufbar sind, manchmal nicht. ?ber die Kirchensteuern hinausgehende Zahlenangaben zeigen die individuelle Handschrift jeder Bistumsleitung: Mal werden die Geh?lter der Religionslehrer, die aus staatlichen Mitteln bezahlt werden, zu den Personalkosten dazugerechnet, mal werden Personal- und Sachkosten, zum Beispiel f?r die Verwaltung, nicht getrennt ausgewiesen, mal Ausgaben f?r Di?zesanleitung und ?ffentlichkeitsarbeit in einen Topf geworfen, oft ist nur geheimnisvoll von \u0026gt;?brigen Einnahmen\u0026lt; die Rede. Hohe Anforderungen an das Kombinationsgeschick erfordert die Suche nach Konsolidierungsma?nahmen und Konzepten f?r die k?nftige Pastoral und Seelsorge. Teils waren die Informationen nur mit Gebrauchsanweisung zu finden, teils versteckten sich Streichlisten hinter fantasievollen Begriffen wie \u0026gt;Eckpunkte 2020\u0026lt;, \u0026gt;PPP\u0026lt; oder \u0026gt;Zukunft heute\u0026lt;. Vielleicht steckt hinter diesem Versteckspiel nicht einmal b?se Absicht: \u0026gt;Eine Haushaltsaufstellung wollen Sie? Das interessiert doch niemanden\u0026lt;, beantwortete ein Pressesprecher eine Anfrage. Auch inwieweit Sparpl?ne tats?chlich aktuell oder bereits veraltet waren, lie? sich h?ufig erst durch Nachhaken kl?ren: L?ngst nicht alle Dokumente auf den Webseiten der Bist?mer sind mit Datum gekennzeichnet das gilt auch f?r Basisinformationen wie die Anzahl der Katholiken oder Gemeinden eines Bistums. Auf Nachfragen reagierten viele Pressesprecher ?berrascht oder auch verunsichert: \u0026gt;Ich gebe keine Informationen frei, ohne mich vorher abzusichern. Wenn Sie etwas wissen wollen, dann stellen Sie schriftlich eine offizielle Anfrage und Sie bekommen auch eine offizielle Antwort.\u0026lt; Manche empfanden die Frage nach Zahlen und Finanzen als Zumutung: \u0026gt;Ist das eine Arbeitsbeschaffungsma?nahme von :Publik-Forum9? F?r den Finanzkram interessiere ich mich nicht. Ich bin schlie?lich kein Finanzfachmann, sondern Philologe!\u0026lt; Andere f?hlten sich schnell an ihre Grenzen auch der Geduld gebracht: \u0026gt;Sie fragen mir ja L?cher in den Bauch. Da muss ich jede Zahl einzeln nachschlagen. Und dann m?sste ich auch noch nachfragen, ob sie stimmt und ob ich sie ?berhaupt herausgeben darf.\u0026lt; Woanders hie? es: \u0026gt;Ich hab jetzt keine Zeit f?r so was. Ich bin ein Ein-Mann-Betrieb hier!\u0026lt; Andere seufzten: \u0026gt;Sie wollen wissen, wie sich die Ausgaben im aktuellen Haushalt zusammensetzen? Da fragen Sie mich was.\u0026lt; Oder auch herablassend: \u0026gt;Bei den Finanzen bin ich nicht so im Thema. Geben Sie mir mal Ihre Nummer. Gegebenenfalls wird Sie unser K?mmerer zur?ckrufen.\u0026lt; Was meist auch nicht weiterhalf: \u0026gt;Die geplante Absenkung der Sachkosten um f?nf Prozent wurde im Haushalt 2005 in der ?berwiegenden Zahl der F?lle realisiert. In Einzelf?llen lag die Absenkung unter, aber auch ?ber diesem Prozentsatz\u0026lt;, lautete die Antwort eines Finanzdirektors auf die Frage, ob Kinderg?rten, Caritas oder andere Einrichtungen von der K?rzung der Sachkosten um f?nf Prozent betroffen seien. Bei der Frage nach dem Verm?gen des Bistums reagierten die Mitarbeiter der Pressestelle sehr unterschiedlich. Am h?ufigsten hie? es, meist eine Spur k?hler im Ton als zuvor: \u0026gt;Dazu ver?ffentlichen wir keine Informationen.\u0026lt; Doch es gab auch andere Erfahrungen: Pressesprecher, die nicht herumdrucksten und problemlos zum Finanzfachmann durchstellten, wo sie selbst nicht weiterwussten. Je kritischer die Finanzsituation, wie in Hamburg, Essen, Berlin oder Hildesheim, desto gr??er war die Bereitschaft, Zahlen offen zu legen. Andere Bist?mer haben die Krise schon vor Jahren kommen sehen und sich entsprechend darauf vorbereitet, statt, aufgeschreckt durch die j?ngste Steuerreform, ihre Ausgaben hektisch zu drosseln. An Rottenburg-Stuttgart oder Freiburg zeigt sich, wie sich k?nftige Mindereinnahmen mit einem sozialvertr?glichen Personalabbau und einer kritischen ?berpr?fung der Arbeitsschwerpunkte in den Griff bekommen lassen sofern man vor dem K?rzen und Streichen ?berlegt, welche Aufgaben man k?nftig als Bistum noch ?bernehmen will, welche nicht und wie viel Personal man daf?r braucht und an dieser Diskussion m?glichst viele Kirchenmitglieder und Bistumsmitarbeiter beteiligt. Nur einmal lief das Gespr?ch in eine ganz andere Richtung: \u0026gt;Wissen Sie\u0026lt;, sagte Pressesprecher Andreas Schuppert aus dem kleinsten Bistum G?rlitz im Osten Deutschlands, \u0026gt;wir versuchen hier das gro?e Jammern ?ber immer weniger Geld zu vermeiden. Sparen ist doch nur die eine Seite zur?ckgehender Einnahmen. Uns besch?ftigt mehr, wie wir k?nftig als doppelte Minderheit in der Diaspora und der Gesellschaft christliches Leben und Seelsorge ?berhaupt noch gestalten k?nnen.\u0026lt; Genau dies ist die Herausforderung der katholischen Kirche f?r die Zukunft nur wer sich diese Frage stellt, kann die Finanzkrise erfolgreich bew?ltigen. Einig ist sich ein gr??erer Teil der Beteiligten noch ?ber das Ziel: Die Frohe Botschaft zu verk?nden, m?glichst so, dass sich viele eingeladen f?hlen. Und christliche Werte wie Menschenw?rde, Respekt, Teilhabe aller an der Gemeinschaft und Hilfe f?r sozial Schw?chere in Politik und Gesellschaft einzubringen und einzufordern. Wie dieses Ziel zu erreichen ist, dar?ber gibt es derzeit keine Einigkeit. Die einen richten ihren Blick nach innen und wollen angesichts der schrumpfenden Katholikenzahl nach Art einer Wagenburg enger zusammenr?cken und sich nach au?en abschotten. Andere wollen die Strukturen so ver?ndern, dass auch diejenigen angesprochen werden, die mit Kirche nichts (mehr) am Hut haben. Die Uneinigkeit verhindert, dass Priorit?ten gesetzt werden: F?r welche Aufgaben soll k?nftig noch Geld ausgegeben werden und f?r welche nicht? Was ist wichtiger: Telefonseelsorge oder Katechese, Citykirchen oder Seniorennachmittage in der Gemeinde? Schnelle Antworten auf diese Fragen gibt es nicht. Fest steht: Nur mit engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wird die Kirche weiterhin eine wichtige Rolle spielen k?nnen. Deren Hingabe und Begeisterung steht und f?llt jedoch mit einem fairen, offenen und vor allem gleichberechtigten Umgang zwischen ihnen und ihren kirchlichen Arbeitgebern. Erst wenn Kirchenleitungen aufh?ren, Mitarbeitern nach Gutsherrenart zu begegnen, werden diese bereit sein, ihren Teil zur Bew?ltigung der Krise beizutragen. Dazu geh?rt, die Besch?ftigten fr?hzeitig mit gen?genden und nachpr?fbaren Informationen zur wirtschaftlichen Lage zu versorgen, sie an Zukunftspl?nen zu beteiligen und ihre Vorschl?ge und Einw?nde zu pr?fen und einzubeziehen. Unsere Recherche ergab, dass die meisten Di?zesen und ihre Verwaltungen von diesem Ziel noch weit entfernt sind. Viele handeln noch immer nach der Devise \u0026gt;Reden ist Silber, Schweigen ist Gold\u0026lt; und sparen nach dem Grundsatz der ehemaligen britischen Premierministerin Margaret Thatcher: \u0026gt;There is no alternative\u0026lt; es gibt keine Alternative. Das vorliegende Buch beschreibt die tats?chliche finanzielle Lage der katholischen Bist?mer soweit die Daten ?ffentlich zug?nglich waren sowie deren kurz- und langfristige Zukunftspl?ne. Es macht deutlich, dass es selbst in den schwierigen Situationen, in denen einige Bist?mer stecken, Alternativen zu eindimensionalen und ?bereilten L?sungen gibt. Doch diese Alternativen kann nur entwickeln, wer ?ber ausreichende Informationen verf?gt. Darum dieses Buch. Birgit-Sara Fabianek und Thomas Seiterich-Kreuzkamp, Fr?hjahr 2006","brand":"Publik-Forum Verlags GmbH","offers":[{"title":"Default Title","offer_id":53670988906838,"sku":null,"price":0.0,"currency_code":"EUR","in_stock":false}],"thumbnail_url":"\/\/cdn.shopify.com\/s\/files\/1\/0925\/5829\/5382\/files\/product_image_9783880951549_1_05074a76-9ce6-457d-a2a3-fc8dde66555d.jpg?v=1778834448","url":"https:\/\/www.momoxbooks.com\/products\/birgit-fabianek-s-und-vergib-uns-unsere-schulden-9783880951549","provider":"momoxbooks","version":"1.0","type":"link"}